Janos Frecot

 

 

 

 

 

 

 

              Der Gärtner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Beruf als Museumsmann und Ausstellungsmacher hat mich jahrzehntelang in viele Städte des In- und Auslands geführt: dabei haben mich immer die Parks, Gärten und Friedhöfe ebenso sehr interessiert wie die Museen und Sammlungen. Heute kommen mir die visuellen Erfahrungen aus unzähligen Garten-begehungen zugute. Es ist weniger die Lektüre von Gartenbüchern und –zeitschriften, die das Gestalten

des eigenen Gartens lenkt, es sind vielmehr die Erinnerungen an gelungene Gartenbilder, die mein Handeln leiten.

Meine Gartenleidenschaft, die lange Zeit bloße Sehnsucht nach dem Garten bleiben mußte, geht zurück auf meine Kindheit in Erkner am östlichen Rande Berlins. Es war 1945, und meine Eltern, beruflich stadtbezogene Einwohner der Stadtrandgemeinde, hatten für sich und uns Kinder kaum etwas zum Beißen. Hätte nicht der katholische Pfarrer Bedürftige in den Kirchgarten gelassen, um Kräuter und Gemüse anzubauen, hätten wir noch mehr als so schon gehungert. Die Erinnerung an das Glück des Erntens, nachdem man lange und geduldig die Aussaat gehegt und gepflegt hatte, begleitete mich ein Leben lang. Dass ich für eine erste kulturwissenschaftliche Untersuchung ausgerechnet Fidus und die Lebensreform gewählt habe, hat sicher auch mit dieser frühen Überlebenserfahrung durch eigener Hände Arbeit zu tun.


Als mein 65ster Geburtstag und damit die Pensionierung näherrückte, stand für meine Frau und mich fest, dass wir „aufs Land“ ziehen würden, und zwar richtig raus – nicht in den Speckgürtel mit seinen dichten Nachbarschaften und Baumarktgärten – und natürlich mit Bahnanbindung. So landeten wir in Belzig im Hohen Fläming, seit einiger Zeit „Bad Belzig“, und in 55 Minuten können wir schon weder in Charlottenburg sein!


Der in der Belziger Altstadt gelegene, knapp 1000 qm große Garten erstreckt sich entlang des Kirchplatzes neben der großen Stadtkirche St. Marien und wird dort von der Stadtmauer, auf der anderen Längsseite vom Stadtbach begrenzt. Ein Nachteil: er fällt in zwei Stufen nach Norden zum Bach hin ab, was ihn kühl und schattig macht. Ein Vorteil: die für eine derartige Situation geeignete Pflanzengesellschaft zu finden wirkt auf mich als ungemein belebende Herausforderung. Überraschend auch, wie viele Pflanzen, die man als Sonnenkinder zu kennen meint, sich hier wohlfühlen, gesund sind und uns durch Blüten- und Blätterpracht erfreuen. 


Seit 2008 nehmen wir teil an den Offenen Gärten im Hohen Fläming. 2009 brachte das RBB-Fernsehen in der von Hellmuth Henneberg moderierten Sendung „Gartenzeit“ ein kurzes Porträt unseres Gartens, und 2010 drehte ein Team des japanischen Fernsehens ein längeres Gartenporträt für eine langjährige Sendereihe über die privaten Gartenleidenschaften in den verschiedensten Ländern. 

Interessierte sind nach Anmeldung jederzeit gern gesehen.

 

 

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